|
Aktiv im Alter

Vortrag von Herrn Hofele zum Thema:
„Engagement älterer Menschen in der Kommune Frickingen“
Ausgangslage Gemeinde?
- Ländlich strukturierte Gemeinde
- zahlreiche Ältere wohnen zu Hause – „Drei-Generationen-Prinzip“
- Strukturwandel auch in Gemeinde spürbar: Zuzüge / neue Arbeitsplätze
- Demografischer Wandel in Gemeinde: von 3.000 Einwohnern sind 520 über 65 Jahre alt = 17,5 %
Ausgangslage ältere Menschen?
- Lokale Anlaufstelle Rathaus – Herausgabe ‚Wegweiser für ältere Mitmenschen‘
- Aktiver Seniorenkreis „60 plus“
- Aktiver Verein „Bürgerselbsthilfe Frickingen“
Angebote: Hilfen rund ums Haus / Fahrdienste / Besuchs- und Beratungsdienste
- Angebote der Sozialstation Salem
- Aktive gemeindliche Frauengruppen
Herausforderung Gemeindeentwicklung / Herausforderung zum Dialog
Stärkung lokale Demokratie - statt Bürgerproteste / Politikverdrossenheit
Eine Gemeinde – unterschiedliche Lebenswelten – unterschiedliche Interessenslagen
- Themenfelder
Integration, Wohnen, Bildung, Ökonomie, Nachhaltigkeit
- Dialogstrukturen
Lokale Agenda (Leitbild Gemeinde), Runde Tische, lokale Bürgergespräche, Bürgerversammlungen, Sitzungen Gemeinderat / Ortschaftrat
„Das Engagement älterer Menschen ist für jede Kommune ein Gewinn“.
Unter dieses Motto stellte der Staatssekretär des Bundesministeriums für Familie, Senio-ren, Frauen und Jugend Dr. Hermann Kues die Festveranstaltung zum Abschluss des Pro-gramms Aktiv im Alter am 22. November 2010.
Seit dem Jahr 2008 entstanden deutschlandweit im Rahmen des Programms Aktiv im Alter rund 1500 Projektideen. Dr. Kues würdigte dieses Engagement: „ In unserer Gesell-schaft stecken enorme Kräfte. So auch die Zeit und die Bereitschaft der älteren Bürger-innen und Bürger, Verantwortung zu übernehmen und sich zu engagieren. Unsere Gesell-schaft profitiert von dem Wissen und der Erfahrung der älteren Generation. Es ist deshalb ein großer Erfolg, dass wir mit Aktiv im Alter deutschlandweit über 3700 ältere Menschen erreicht haben, die sich nun in ihrer Kommune aktiv einbringen.“
175 Kommunen des Programms Aktiv im Alter, so auch die Gemeinde Frickingen, haben die Bedürfnisse älterer Menschen mit Hilfe lokaler Bürgerforen unter dem Motto „Wie wol-len wir morgen leben“ systematisch ermittelt. Wie bürgerschaftliches Engagement von Se-niorinnen und Senioren aussehen kann, zeigt das Projekt „Wohnen im Alter“ in Frickingen.
Bereits Ende 2007 erarbeitete Frau Lang einen Wegweiser für Senioren in der Gemeinde Frickingen. Diese Idee entstand bei ihrer Arbeit in der Anlaufstelle für Menschen mit Fra-gen und Problemen in der Gemeinde. Themen dieses Ratgebers sind:
Vereine und Aktivitäten Beratung und Information Ambulante Angebote
Wohnen im Alter Medizinische Versorgung Kirchen
Gesetzliche Sozialleistungen Vorsorgevollmacht, Betreuung Testament u. Todesfall
Wichtige Telefonnummern
Dieser Ratgeber wurde an alle Haushalte in der Gemeinde verteilt und wurde gerne ange-nommen.
Etwa zur selben Zeit entstand der Verein „Miteinander“ Bürger-Selbsthilfe Frickingen e. V. Bürgerinnen und Bürger erkannten den Bedarf, besonders bei älteren und hilfsbedürftigen Menschen in der Gemeinde. Dies ist inzwischen zu einer leistungsfähigen Selbsthilfe-Ein-richtung geworden, die auf Gegenseitigkeit beruht.
Die Unterstützung wird vorwiegend bei folgenden Aufgaben angeboten:
Hilfen rund ums Haus Fahrdienst Besuchsdienst Beratung
Weitere Informationen erhalten die Bürgerinnen und Bürger im Seniorenkreis Generation 60+, beim Landfrauenverein „Salemertal“, bei den Kath. Frauengemeinschaften Frickingen und Altheim usw. Sie führen informative und gesellige Veranstaltungen durch. Alle diese Aktivitäten zeigen den Willen der Menschen, sich für andere freiwillig zu engagieren.
Durch das Programm Aktiv im Alter wollten sich die engagierten Bürgerinnen und Bürger speziell mit dem Thema Leben und Wohnen im Alter beschäftigen. Eine Arbeitsgemein-schaft „Wohnen im Alter“ unter der Leitung des Senators Josef Martin aus Riedlingen er-kannte den Bedarf an näheren Informationen. Es wurde ein Fragebogen entwickelt, der zunächst mit dem Gemeindeblatt an alle Haushalte verteilt wurde. Der Rücklauf war nicht aussagekräftig genug, da sich nur wenige die Mühe machten, den Fragebogen auszufül-len und ins Rathaus zu bringen. Also musste ein anderer Weg gefunden werden, um die Meinung der Bürgerinnen und Bürger zu erfahren. Bei einem Dorffest und vor den Lebens-mittelläden in der Gemeinde wurden die Menschen direkt angesprochen und befragt.
Themen der Bürgerbefragung waren:
Infrastruktur Versorgung im medizinischen und sozialen Bereich
Wie stehen die Bürger zu Hilfsdiensten Bereitschaft zu bürgerschaftlicher Beteiligung
Fragen zur Wohnsituation Barrierefreiheit der jetzigen Wohnung
Vorstellung zum Wohnen im Alter Ist ein Wohnungswechsel denkbar?
Wesentliche Ergebnisse der Befragung waren
Allgemeine Zufriedenheit der Bürgerinnen und Bürger mit der Situation in der Gemeinde
Bereitschaft zu bürgerschaftlichem Engagement
Erhöhter Bedarf an altersgerechtem Wohnraum
Selbstbestimmtes Wohnen mit Versorgungssicherheit
Nach der Auswertung der Befragung wurden die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde zu einem Bürgerforum mit dem Thema Wohnen im Alter in der Gemeinde eingeladen. Das Forum begann mit einem Impulsreferat von Prof. Dr. Klaus Dörner zum Thema „Alternde Gesellschaft“. Daran anschließend trug Herr Josef Martin die Ergebnisse der Bürgerbefragung vor. Danach bestand für die Besucher die Möglichkeit, an runden Tischen über die Themenblöcke
Wohnen im Alter Soziale Versorgung Infrastruktur
zu diskutieren. Konsequenz hieraus war die Etablierung zweier Arbeitsgemeinschaften, die sich mit diesen Themen weiterhin beschäftigen. Ergebnis soll eine Lösung für das Pro-blem Wohnen im Alter in der Gemeinde sein und Vorschläge an den Gemeinderat und die Verwaltung zu den weiteren Themen zu erarbeiten.
Parallel zu diesen Aktivitäten entstand eine Masterarbeit des Architekten Dipl.-Ing. Ale-xander Witte zum Thema Seniorengenossenschaften, in der am Beispiel der Gemeinde Frickingen Handlungsempfehlungen und ein Bauprojekt entwickelt wurde. In dieser Arbeit konnten Aussagen aus unserer Bürgerbefragung einfließen. Z.B. „Von den meisten 50- bis 70-jährigen mit Umzugsbereitschaft wird meist eine Wohnung ohne professionelle Versor-gung gewünscht.“ … „Die 70- bis 80-jährigen suchen Wohnungen mit professionellen Hilfsleistungen, allerdings ohne Rundumversorgung“. „Die Wohnung soll im Zentrum der Gemeinde sein“. Solche Wünsche für die Zukunft zu erfüllen, ist das Ziel der AG Wohnen im Alter.
Die Pflege in der alternden Gesellschaft ist schlicht und einfach nicht finanzierbar. Aus die-sem Grund ist bürgerschaftliches Engagement unbedingt erforderlich. Ob dies mit dem Bundesfreiwilligendienst, den die Bundesfamilienministerin Dr. Kristina Schröder einführen will, erreicht werden kann, bezweifle ich.
Zum Schluss möchte ich gerne noch 10 Thesen des Prof. Dr. Thomas Klie zitieren, die er als Fazit des Programmes Aktiv im Alter aufgestellt hat.
1. Engagement sichert Teilhabe und Integration der Engagierten und derer, denen es dient.
Engagement ist Ausdruck demokratischer Beteiligung
Engagement schafft Sozialkapital
Es beheimatet
Es verbindet
2. Engagement und Beteiligung sind eine Antwort auf den demographischen Wandel
Die mit dem demographischen Wandel verbundenen Herausforderungen lassen sich nicht allein mit den Ressourcen und Logiken von Markt, Staat und Familie gestalten.
Für’s Alter planen
Sorge: Who cares?
Lokale Infrastruktur
3. Engagement und Beteiligung sind eine wichtige Form von Altersaktivität
Das Leitbild des Ruhestandes ist überholt: „active ageing“ heißt es weltweit
Engagement stiftet Nutzen:
Gesundheit
Teilhabe
Sinn
Vielfalt des Alters entspricht Vielfalt des Engagements
4. Engagement ist eine wichtige Werkstatt zur Gestaltung lebendiger Generationen-beziehungen
Der Wandel im Generationengefüge, die Herausforderungen der Generationengerechtigkeit und die Geschwindigkeit kulturellen Wandels verlangt nach kreativen und beziehungsstiftenden Formen gesellschaftlichen Miteinanders.
5. Engagement darf bei aller Not-wendigkeit nicht funktionalisiert werden
Ohne Engagement würde und wird unserer Gesellschaft nicht funktionieren. Gleichwohl wächst Engagement aus der Gesellschaft, es ist Ausdruck unserer Kultur. Engagement darf nicht als Lückenbüßer für sozialstaatliche Engpässe funktionalisiert werden.
Bürgerinnen und Bürger haben gerade in Deutschland ein Gespür dafür, wenn ihr Engagement funktionalisiert wird.
Wir müssen in einer freien Gesellschaft die Bedingungen der Freiheit und der Subsidiarität erkennen.
6. Engagement ist unbezahlbar, aber nicht umsonst zu haben
Bürgerschaftliches Engagement ist im Kern eine Zeitspende:
sein Wert ist volkswirtschaftlich nicht hoch genug anzusetzen
Es bedarf aber förderlicher Infrastrukturen auf kommunaler Ebene
Engagement lebt von demokratischer Beteiligung
7. Bürgerschaftliches Engagement ist koproduktiv und advokatorisch
Bürgerschaftliches Engagement leistet viel, ergänzt Familiensolidarität und teilt Verantwortung für Sorgeaufgaben. Bürgerschaftliches Engagement ist aber auch kritisch und advokatorisch.
Solidarität, Eigensinn und demokratische Mitgestaltung gehören in einer zivilgesellschaftlichen Engagement-Kultur zusammen.
8. Engagement ist bunt
Engagement kennt verschiedene Gesichter, unterschiedliche Dialekte und vielfältige Formen.
Die Pluralität der Gesellschaft zeigt sich aber auch in der Vielfalt von Engagement.
Eine bunte Altersgesellschaft kennt ebenso vielfarbige Formen mitverant-wortlichen Lebens.
Ob Ehrenamt, Freiwilligendienst oder Selbsthilfe: Es gibt viele Wege zum Engagement.
9. Bürgerschaftliches Engagement ist Ausdruck der Suche nach neuen Bildern einer guten Gesellschaft.
Eine Gesellschaft des langen Lebens braucht neue utopische Bilder eines solidarischen, fairen und nachhaltigen Zusammenlebens.
Aktiv im Alter macht anschaulich, wie eine beteiligungsorientierte Gestaltung unserer Gesellschaft im demographischen Wandel aussehen kann.
10. Aktiv im Alter lebt von einer lebendigen Zivilgesellschaft und von einer intelligenten kommunalen Governance
Es unterstreicht die Bedeutung der Kommunen in der Gestaltung des demographischen Wandels.
Es unterstützt die Entwicklung neuer Altersbilder.
Es wird nicht aufgehen in Freiwilligendiensten, sondern bedarf einer infrastrukturellen Flankierung vor Ort.
Sie können mehr Spuren hinterlassen als eine Kuhle im Sofa:
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! 
|